Stadtmusik in Langenzenn – vom Mittelalter bis in 21. Jahrhundert

Der Übergang vom finsteren Mittelalter in die Renaissance wird im Allgemeinen gegen Ende des 15. und Beginn des 16. Jahrhunderts angesiedelt. Das bedeutsamste Ereignis zu dieser Zeit war sicherlich die Entdeckung Amerikas durch Kolumbus im Jahre 1492. Aber auch in dem kleinen Städtchen Langenzenn hat der Beginn der Neuzeit mit einer wiedererstarkten Aufmerksamkeit auf die Kunst, hier im speziellen die Musik, Einzug gehalten. So wird im Jahr 1499 erstmals vertraglich zwischen der Stadt und dem Kloster vereinbart, durch zwei Geistliche aus dem Kloster mit dem Schulmeister und Schüler ein „gesungenes Amt“ und eine Messe mit Predigt abzuhalten.

Lange Zeit waren die im Gesang vom Schulmeister ausgebildeten Knaben die wichtigsten Musikausübenden. Gesungen wurde in der Kirche, bei Beerdigungen, Trauungen, Prozessionen, aber auch Hinrichtungen. 1630 waren hier erstmals Stadtrechnungen für ein Neujahrssingen verbucht.

Im Jahr 1693 wird erstmals, neben dem kirchlichen Kantor laut dem Stadtprotokoll ein „Stadtmusikus“ bestallt. Für freie Wohnung, Brennholz und eine jährliche Bezahlung von 10 Gulden musste er unter anderem täglich vom Rathausturm blasen und hatte die Erlaubnis auf den Hochzeiten, Kirchweihen und anderen „Fröhlichkeiten“ zu spielen.

Nachdem der, wahrscheinlich erste „Langenzenner Stadtmusikus“ 1714 starb bekam sein Nachfolger immerhin jährlich 30 Gulden, 6 Klafter Holz, Getreide sowie freie Wohnung. Somit kann sich der Stadtmusikus auch mehrere Gehilfen leisten, was um 1800 erstmals historisch von Wolfgang Konrad Schultheiß bezeugt wird: „Vom Turm herab ertönte jeden Abend ein vierstimmiger Choral, vom Stadtmusikus und dreien seiner Gehilfen mit Zinken und Posaunen ausgeführt. …“

Die Geburtsstunde der Stadtkapelle ?

Zumindest rückte das 1806 begründete Landwehrbataillon „mit klingendem Spiel“ zu seinen Schieß- und Exerzierübungen aus. Nach dessen Auflösung 1869 wurden seine Musikinstrumente (2 Klarinetten, 1 Pikkolo, 5 Trompeten, 2 Hörner, 2 Posaunen, 1 Bombardon, 1 große und 6 kleine Trommeln, sowie 2 Tschinellen) versteigert, was auf einen richtigen Musikzug rückschließen lässt.

Zum 1. Oktober 1925 beschloss der Stadtrat, die Stelle des Stadtmusikers erstmals unter dem Titel des „Stadtkapellmeisters“ zu vergeben. Die Dienstvereinbarung beinhaltete folgende Aufgaben:

  Eine leistungsfähige Stadtkapelle zu unterhalten,

  • Eine leistungsfähige Stadtkapelle zu unterhalten,
  • Geeigneten Nachwuchs an jungen Musikern heranzubilden, 
  • An Werktagen mittags und abends, an Sonn- und Feiertagen früh, mittags und abends vom Turm zu blasen
  • Sich mit Musik am Kirchweihumzug zu beteiligen
  • Bei Veranstaltungen der Stadt diese mit guter Musik zu bedienen
  • Jährlich 4 Standkonzerte abzuhalten, zwei vor dem Rathaus, eines vor dem Kriegerdenkmal und eines auf dem oberen Marktplatz. 

Weiterhin durfte er uneingeschränkt Privataufträge annehmen.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten trat die ganze Stadtkapelle in die NSDAP ein und beteiligte sich als Sturmbannkapelle an zahlreichen NS-Veranstaltungen. Der damalige Stadtkapellmeister Max Kunzmann kündigte 1942 seine Stelle, die dann erst nach dem Ende des 2. Weltkriegs wieder besetzt wurde. Das tägliche Turmblasen wurde 1955 eingestellt, im Jahr 1969 löste sich die Stadtkapelle auf, sodass für verschiedenste Gelegenheiten Kapellen von auswärts bestellt werden mussten.

Nur 4 Jahre später, im Jahr 1973, war es dem Heimatverein Langenzenn ein Anliegen, einen Jugendspielmannszug auf die Beine zu stellen und damit die Tradition weiterleben zu lassen. Nach vielen vorbereitenden Gesprächen und Diskussionen war es dann am 24.Juli 1973 soweit:

Der Spielmannszug  wurde gegründet.

Etwa 50 Kinder erlernten das Spiel auf Fanfaren,  Flöten und Trommeln. Der erste Auftritt zur Langenzenner Kirchweih 1974 war dann der Beginn des öffentlichen Auftretens, schon bald in eigener Vereinstracht. Die musikalischen Fortschritte ließen nicht lange auf sich warten, sodass bereits 4 Jahre nach der Gründung im Jahr 1977 der Spielmannszug zu einem Musikzug ausgebaut wurde und sich 1978 in „Jugendkapelle Stadt Langenzenn“  umbenannte. Weitere Musikinstrumente wurden angeschafft und ausgebildet und ein beachtlicher Klangkörper entwickelte sich. Neben der musikalischen Mitgestaltung traditioneller Anlässe wie den Kirchweihen in den eingemeindeten Ortschaften um Langenzenn, Sonnwendfeiern, Altstadtfest und vielen anderen rückte auch die konzertante oder symphonische Blasmusik weiter in den Vordergrund. 1988 feierte man dann das 15-jährige Bestehen mit einem Kreismusikfest, das nach 4-tägigem Festprogramm mit dem großen Festumzug mit 65 Gruppen, darunter 31 Kapellen, seinen Höhepunkt erreichte.

Im Jahr 1990 war die Jugendkapelle dann in zweifacher Hinsicht den „Kinderschuhen“ entwachsen. Zum einen waren viele der aktiven Musiker nicht mehr dem Jugendalter zuzuordnen, weshalb die Silben „Jugend“ aus dem Vereinsnamen gestrichen wurde. Zum anderen löste sich die Kapelle von seinem Mutterverein, dem Heimatverein Langenzenn und wurde am 5.April 1990 als eigenständiger Verein unter dem Namen „Stadtkapelle Langenzenn e. V.“ gegründet.

Das nächste Jubiläumsfest ließ nicht lange auf sich warten. 1998 wurde zum 25-jährigen Bestehen erneut ein Kreismusikfest mit großem Festumzug und Gemeinschaftschor veranstaltet.

Die Vereinsziele sind nach wie vor die Pflege der traditionellen und modernen Blasmusik geblieben. Unsere Jugendarbeit mit stetiger Ausbildung der Nachwuchsmusiker, die bereits in der „Jugendkapelle“ ihre ersten Bühnenerfahrungen sammeln ist uns hier ein wichtiges Anliegen. 

Neben den neu hinzugewonnen „Traditionen“ wie dem Frühjahrskonzert, dem Mosch-Konzert und dem seit einigen Jahren stattfindenden Benefizkonzert zum 1. Advent ist, schlagen wir, zumindest am Kirchweihsonntag, mit der jahrhundertealten Überlieferung  des „Turmblasens“ jedes Jahr die Brücke zu den Anfängen der „Langenzenner Stadtmusik“.

 

 

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